07.05.2025
Wer heute ein Haus plant oder saniert, steht vor einem Berg an Fragen und Problemen. Künstliche Intelligenz kann weiterhelfen – wenn man die richtigen Befehle gibt.
Das erste Haus baust du für deinen Feind, das zweite für deinen Freund und das dritte für dich selbst“ – der Spruch klingt angestaubt, doch auch heute noch bringt eine Hausplanung viele Monate, manchmal Jahre lang Ärger für Hausbauer und Eigenheimbesitzer mit sich, unnötige Ausgaben für Bauleistungen, Pfusch und Reparaturen.
Immer komplexere technische Vorgaben überfordern selbst erfahrene Bauplaner und Energieberater. Wer heute ein Einfamilienhaus baut oder im Bestand saniert, steht vor einem Berg aus Fragen und Problemen.
So ging es auch Pascal Roski. Der 42-Jährige kaufte im vergangenen Jahr eine Doppelhaushälfte, Baujahr 1977, am Stadtrand von Berlin. „Die Immobilie machte auf den ersten Blick einen guten Eindruck“, sagt er, „alles wirkte gepflegt und solide.“ Dann tauchten immer mehr Schwierigkeiten auf. Die Dachdämmung war schlecht gemacht, es schimmelte. Die Heizung hatte fünf Jahre lang niemand mehr gewartet, der Wasserspeicher rostete vor sich hin. Die Elektrik war veraltet. Dass das Haus modernisiert werden musste, war von vornherein klar gewesen, sagt Roski. Doch die vielen einzelnen Probleme überraschten ihn dann doch.
Roski hatte allerdings schon vor dem Kauf beschlossen, sein berufliches Können zu nutzen: Er ist Experte für künstliche Intelligenz (KI) bei WELT, also in der Redaktion, die auch WELT AM SONNTAG herausbringt. Sein KI-Wissen nutzte er für die Vorbereitung und die Durchführung des gesamten Projekts.
Prinzipiell kann man KI-Tools für alle möglichen Situationen rund um Kauf, Bau und Sanierung einsetzen, sagt Roski, von der Plausibilisierung eines Kaufvertrags über Finanzierungsfragen bis zur Sanierungs-Gesamtplanung, von der Auswahl von Materialien „bis hin zu ganz praktischen Dingen“, so Roski. Mehrmals fragte er seinen Computer beispielsweise: „Wie baue ich etwas selbst?“.
Beim Verband Privater Bauherren (VPB) ist man skeptisch. „Während man KI als Experte für manche Standardprozesse am Bau schon nutzen kann, ist es für Laien zur Beurteilung komplexer Baufragen doch nach wie vor extrem riskant, zumal die KIs dazu neigen, eine nicht vorhandene Sicherheit vorzutäuschen“, sagt VPB-Hauptgeschäftsführerin Corinna Merzyn. Baufragen seien sehr individuell, und bisher habe „keine KI auch nur ansatzweise genügend Fachwissen angehäuft, geschweige denn kann dieses so sinnvoll kombinieren, dass daraus eine tragfähige Beurteilung gewonnen werden könnte.“ Das weiß allerdings auch Roski, und bei seinem Projekt ist daher auch die nötige Manpower im Einsatz: Architekten planen den Umbau, Handwerker setzen ihr ganzes Wissen ein. Nicht zuletzt geht es um Haftungsfragen und technische Sicherheit. Die digitale Zusatzberatung hilft aber, alles zu verstehen, besser voranzukommen und am Ende auch Geld zu sparen.
Verschiedene Rollen für mehrere Tools
Zunächst können Bauherren und Sanierungsplaner die KI-Tools so trainieren, dass sie sich dem Bauvorhaben anpassen. Roski nutzt neben den Online-Varianten Perplexity und DeepSeek hauptsächlich ChatGPT des Unternehmens OpenAI, wobei er den Standard-Chat eher selten nutzt, sondern von vornherein eigene Assistenten anlernte, eigene „GPTs“, also „Generative Pre-Trained Transformer“. Dafür allerdings ist ein Monatsabo für 20 Euro nötig: Auf der Website bekommen Nutzer dann die Option „GPTs erkunden“ oben links angezeigt und können in diesem Erkundungsbereich eigene GPTs erstellen.
So kann man etwa einen Assistenten für Vertragsthemen anlernen, einen weiteren als Bauberater. Beide GPTs lassen sich mit Unterlagen füttern, mit Grundrissen, Kostenangeboten und Gutachten. Es empfiehlt sich allerdings, persönliche Angaben vor dem Hochladen zu schwärzen.
Den „Prompt“, also den Arbeitsauftrag, kann man formulieren, als hätte man es mit einem Menschen zu tun: „Du bist ein KI-gestützter Bauberater, Sanierungsassistent und Projektmanager mit umfassender Erfahrung im Berliner Bau- und Sanierungskontext. Deine Aufgabe ist es, privaten Bauherren bei der Planung, Umsetzung und Koordination einer umfangreichen Haussanierung in Berlin beratend zur Seite zu stehen“, so formulierte es Pascal Roski. „Deine Rolle ist vergleichbar mit einem Generalplaner im Hintergrund, der sowohl technische als auch organisatorische Aspekte im Blick behält – besonders im Umgang mit mehreren Gewerken, Eigenleistungen und komplexen Abläufen.“
Der Vertragsassistent für den Kauf bekam unter anderem folgenden Befehl: „Deine Aufgabe ist es, privaten Käufern oder Sanierenden beim Verstehen, Prüfen und Einschätzen von Kaufverträgen, Notarterminen, Handwerkerangeboten, Werkverträgen und Sanierungsvereinbarungen zu helfen. Du unterstützt sowohl bei juristischen Formulierungen als auch bei strategischer Vorbereitung von Gesprächen und Verhandlungen. Du ersetzt keine juristische Fachberatung, gibst aber qualifizierte Hinweise, Hilfestellungen und laienverständliche Erklärungen“.
Informationen zu Projekt und Einzelaufgaben
Zusätzlich zu den Startbefehlen sollten möglichst detaillierte Informationen zum Objekt und zu den einzelnen Vorhaben mitgeliefert werden. Zunächst aber kann der Assistent jede Menge Nachhilfe geben, was Verträge und andere Unterlagen angeht. „Welche Fragen sollte man dem Notar stellen“ kann man den Assistenten ebenso fragen wie „rechtssichere Ausgestaltung eigener Pauschalvereinbarungen mit Handwerkern“ einfordern.
Offene Fragestellungen sind ebenso möglich. Man sollte sich nicht schämen, die künstliche Intelligenz zu fragen: „Du hilfst, Fragen oder Unsicherheiten zu konkreten Positionen oder Baubeschreibungen zu klären (zum Beispiel „Ist dieser Preis fair?“, „Was fehlt hier?“, „Was bedeutet diese Formulierung?“)“ Nicht zuletzt kann man sich „typische Fallstricke“ auflisten oder Abnahmeprotokolle prüfen lassen.
Noch detaillierter kann man mit einzelnen Schritten bei Sanierung oder Bau vorgehen. Zimmer, deren Größe und einzelne Aufgaben sollte man genau angeben, zum Beispiel „Wohnzimmer – Parkett abschleifen, Wände streichen“. Jede Kostenschätzung, jedes Material, jeden Preis kann die KI plausibilisieren. Vor allem aber: Nutzer können jede Menge Fotos anfertigen und hochladen, vom Ursprungszustand, von der Bauphase und nach der Fertigstellung – und dann den digitalen Bau-Assistenten fragen: Ist das richtig so?
Weiteres Wissen und komplexere Vergleiche
Auch Perplexity und DeepSeek haben ihre Vorteile, sagt Roski, und können manche Aufgaben besser lösen. Perplexity etwa verfügt über relativ aktuelle Informationen. Hier passen Fragen wie „Wie hoch sind durchschnittliche Bau- und Sanierungskosten für die Sanierung einer Doppelhaushälfte in Berlin?“, Fragen nach aktuellen Förderprogrammen, DIN-Normen oder gesetzlichen Anforderungen.
DeepSeek steht bereit für fachtechnische Rückfragen, etwa: „Wie sieht ein fachgerechter Dachaufbau (Kaltdach, Schrägdach) in Deutschland mit Dampfbremse, Zwischensparrendämmung und Untersparrendämmung nach aktueller Norm (DIN 4108) aus?“ Oder: „Wie sollte eine vollständige Leistungsbeschreibung für eine Elektroinstallation in einem Einfamilienhaus nach DIN 18015 aussehen? Welche Punkte dürfen auf keinen Fall fehlen?“
Roski hat jede Menge Zeit und Aufwand gespart durch die KI-Nutzung, sagt er. Wie aber haben die Handwerker insgesamt auf die vielen hochspezialisierten Infos ihres Auftraggebers reagiert? „Die Reaktionen waren gemischt“, sagt Roski, „einige fanden es spannend und wollten wissen, wie das genau funktioniert.“ Wichtig sei ihm gewesen, klarzumachen, „dass ich die KI nicht als Ersatz für Fachwissen sehe, sondern als Werkzeug, um gezielter Fragen zu stellen und Entscheidungen besser vorzubereiten. Das wurde meist sehr positiv aufgenommen.“
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